Helsinki. Vom 9. bis 11. Oktober 2026 versammelten sich feministische Friedensaktivistinnen in der Villa Salin in Lauttasaari bei Helsinki zur jährlichen europäischen WILPF-Konferenz. Die Teilnehmerinnen kamen aus vielen Regionen – darunter aus allen nordischen Ländern, Spanien, Iran und dem Libanon. Zu Beginn wurde das 100-jährige Bestehen der finnischen Sektion gefeiert.
WILPF – die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit – ist die weltweit größte und älteste feministische Friedensorganisation, die in mehr als 40 Ländern aktiv ist.
Ihre europäischen Sektionen arbeiten gemeinsam an den Kernthemen der WILPF: Massnahmen gegen die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft, feministische und intersektionale Friedensförderung in multilateralen Institutionen sowie Bekämpfung der Ursachen von gewalttätigen Konflikten und Kriegen. Nach Treffen in Budapest, Zürich, München und Wien versammelte sich das Netzwerk in Helsinki.
Die Frauenfriedenskonferenz begann am Freitag, dem 9. Oktober mit einem feministischen Stadtspaziergang durch Helsinki. Dabei wurden das frühe Wahlrecht für die Frauen in Finland im Jahr 1906 (übrigens unter Russischer Herrschaft) sowie die wegweisende Beteiligung von Frauen am beruflichen und künstlerischen Leben hervorgehoben. Die Villa Salin, die dem Finnischen Frauenverband von einer Frauenrechtlerin vermacht wurde, diente als Veranstaltungsort.
Rosa Logar, die europäische Vertreterin der WILPF im Internationalen Vorstand, und Sirkku Järvelä, Präsidentin der WILPF Finnland, begrüßten die Gäste. Järvelä zeichnete die Geschichte der Sektion sowie deren Verbindungen zur Zivilgesellschaft und zur Sozialdemokratischen Partei nach. Das Programm befasste sich auch mit dem Empowerment von Migrantinnen anhand ihrer persönlichen Lebensgeschichten. Darüber hinaus wurden köstliche persische Speisen serviert, um das Jubiläum der WILPF Finland zu feiern. Laura Lodenius von der Peace Union Finland hob die engen Verbindungen der WILPF zur finnischen Friedensbewegung hervor.
Das Konferenzprogramm am Samstag und Sonntag befasste sich mit den Prioritäten, die vom Internationalen Kongress aller WILPF-Sektionen im Sommer 2026 verabschiedet wurden: Bekämpfung des Militarismus in der Gesellschaft, Stärkung der Agenda «Frauen, Frieden und Sicherheit» für einen feministischen Wandel, Förderung ökologischer Gerechtigkeit und Stärkung der multilateralen Arbeit. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen insbesondere die Stärkung der Vereinten Nationen und die Zusammenarbeit mit Friedensaktivistinnen in Osteuropa im Rahmen der Arbeitsgruppe Gender in der OSZE-Plattform für Zivilgesellschaft, die von Heidi Meinzolt koordiniert wird. Auch über die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen in der European Women’s Lobby, deren Mitglied WILPF ist, wurde gesprochen.
Ein zentrales Thema der Konferenz war das Ziel, feministische und intersektionale Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit zu stärken. Der Backlash für Frauenrechte, der politische Rechtsruck und die Schwächung demokratischer Institutionen und des internationalen Rechts, erfordern, dass Menschen aufstehen und sich wehren. Wehren dagegen, dass sich Kräfte, die über enorme Mittel von Geld und Macht verfügen, durchsetzen und demokratische Strukturen zerstören. Es gibt neue Initiativen, z.B. die sich formierende Bewegung „StoP Re-Arm Europe“ mit dem Slogan „Welfare not Warfare“. WILPF Mitglieder sind aktiv in dieser Bewegung mit der Kampagne „Move the Money from War to Peace – die Geldmittel von Krieg zu Frieden verschieben“. Am 20. November findet europaweit ein Jugendstreik gegen Militarisierung und Aufrüstung statt, der von WILPF unterstützt wird.
Die Teilnehmerinnen der Konferenz bekräftigten am Ende der Tagung, dass die Einbeziehung feministischer und intersektionaler Analysen und Praktiken entscheidend ist für nachhaltigen und Frieden.*
*Dieser Bericht basiert auf einem gemeinsamen Text, der von WILPF Austria bearbeitet und ergänzt wurde.
