Das zentrale Ziel ist, durch feministische Analyse und Praxis dazu beizutragen, bewaffnete Konflikte und Kriege zu verhindern und alternative, gewaltfreie Wege für einen nachhaltigen Weltfrieden aufzuzeigen und zu beschreiten.
Dazu gehört:
Sprache
Wir verstehen Geschlecht als sozial konstruiert und nicht binär und nutzen es als eine Analysebrille, um geschlechterspezifische Ungleichheiten und Verbindungen mit Frieden aufzuzeigen. Wir nutzen bei geschlechterbezogenen Begriffen das Sternchen ‚*‘ (z.B. Frau*), um intersektionale Verschränkungen sichtbar zu machen. Um Texte jedoch weiterhin zugänglich darzustellen, tun wir das nur bei der ersten Nennung.
Friedensbildung und Bewusstseinsarbeit
Friedensbildung zielt darauf ab, Menschen für die Ursachen von Gewalt und Ungerechtigkeit zu sensibilisieren und Kompetenzen zur gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu fördern. Bewusstseinsarbeit ermöglicht Individuen und Gemeinschaften, eigene Rollen in Gewaltstrukturen zu erkennen, kritische Reflexion zu entwickeln und neue Denk- und Handlungsräume zu erschließen. Dabei geht es nicht nur um kognitive Bildung, sondern auch um emotionale und ethische Prozesse – etwa Empathie, Solidarität und Verantwortung.
Änderung von Mindsets der Kriegslogik und De-Militarisierung
Wir erleben aktuell Krisen auf vielen Ebenen: sei es die globale Klimakatastrophe, steigende rechtsextremistische Gewalt oder der lokale Abbau von erkämpften Rechten und Werten. Auch geopolitisch ist das Bild geprägt von wirtschaftlicher Instabilität, Spannungen und bewaffneten Konflikten und Kriegen. Es ist verständlich, dass dies zu Gefühlen von Unsicherheit, Kontrollverlust und Zukunftsängsten führt. Einer Kriegslogik folgend werden aktuell Konflikte als Bedrohung wahrgenommen und sogenannte militärische „Sicherheit“, wie z.B. Grenzschließung, Aufrüstung und Wehrpflicht, als einzige Lösung dargestellt.
WILPF widersetzt sich dem Narrativ der Militarisierung, stellt Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte über Sicherheitsinteressen und sieht Frieden als Gerechtigkeit, Teilhabe und Sicherheit für alle – insbesondere für diejenigen, die systematisch ausgeschlossen werden.
Verhinderung von Gewalt und Extremismusprävention
Gewalt tritt in vielfältigen Formen auf und reicht weit über physische Übergriffe hinaus. Neben direkter, sichtbarer Gewalt – etwa Kriegshandlungen oder körperlicher Aggression – existieren auch strukturelle und symbolische Formen von Gewalt. Strukturelle Gewalt zeigt sich in gesellschaftlichen Ungleichheiten, etwa durch Armut, Diskriminierung oder ungleichen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. Symbolische Gewalt legitimiert oder normalisiert diese Zustände, etwa durch Ideologien, mediale Darstellungen oder Unsichtbarmachung von marginalisierten Individuen.
Für WILPF ist es daher zentral, nicht nur die Abwesenheit von direkter Gewalt zu erreichen, sondern auch Bedingungen für einen positiven Frieden zu schaffen – also ein System sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe und Anerkennung, das strukturelle und symbolische Gewaltformen abbaut.
Feministische Ansätze und Alternativen für eine Friedenslogik
Feministische Ansätze sind ein essenzieller und historischer Bestandteil der Friedensarbeit. FriedensaktivistInnen und FeministInnen weisen auf die unproportionale Betroffenheit in bewaffneten Konflikten und Kriegen von Frauen* und marginalisierten Gruppen hin und deren Ausschluss von Friedensverhandlungen. Kriegslogik ist männlich kodiert: es werden Konzepte von Gewalt, Härte, Rationalität und Kontrolle gefördert, die eng mit patriarchalen Strukturen verwoben sind. Gender funktioniert so als (militärische) Machtstruktur. Kriegslogik führt nicht nur zu gewaltvoller Auseinandersetzung in Kriegsgebieten, sondern auch zur Militarisierung von Gesellschaften, die Menschenrechte, Investitionen in Bildung, Gesundheit und Care hinten anstellen. Gleichzeitig wird auch die Unsichtbarmachung von Frauen, ZivilistInnen und Care-Arbeit vorangetrieben.
WILPF setzt sich für eine intersektionale Perspektive auf Friedenslösung ein, in der Race, Klasse, Sexualität und Migrationserfahrungen zentral mitgedacht werden.
Stärkung der Demokratie, der Frauen*/Menschenrechte und der Friedensbewegung
Im Gegenteil zu negativem Frieden, der lediglich die Abwesenheit direkter, physischer Gewalt anspricht, setzt sich WILPF für positiven Frieden ein. Dieser beschreibt einen Zustand, in dem strukturelle Gewalt abgebaut ist und gesellschaftliche Bedingungen bestehen, die Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Teilhabe und nachhaltige Entwicklung ermöglichen.
WILPF setzt sich für die Achtung von Menschenrechten, den gleichen Zugang zu Bildung, die gerechte Verteilung von Ressourcen, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Transparenz, einen freien Informationsfluss (z.B. Pressefreiheit), die Reduktion von Korruption, die Stärkung von Institutionen, gute Beziehungen zu Nachbarländern und eine starke Zivilgesellschaft ein.
