14. August 2026
Am 15. August 2021 haben die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen. Die Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan ist dramatisch. Die Taliban verfolgen eine Politik der systematischen Entrechtung: Frauen und Mädchen werden aus Bildung, Arbeit, Öffentlichkeit, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlicher Teilhabe verdrängt. Sie leben in einem System aus Kontrolle, Einschüchterung, Gewalt und Willkür.
Die Situation verschlechtert sich zunehmend, besorgniserregend ist z.B. Dekret Nr. 18 vom Mai 2026, das Kinderheirat faktisch institutionalisiert. Gleichzeitig fehlt vielen Frauen und Mädchen der Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, humanitärer Hilfe und Schutz vor Gewalt. Afghanistan zählt weiterhin zu den Ländern mit besonders hoher Kinder- und Müttersterblichkeit.
Aktivistinnen, Journalistinnen, Menschenrechtsverteidigerinnen und Friedensarbeiterinnen werden überwacht, verfolgt und willkürlich inhaftiert. In Haft sind Frauen häufig sexueller Gewalt, Misshandlung und Folter ausgesetzt. Diese systematische Unterdrückung stellt geschlechtsspezifische Verfolgung dar. Viele Expertinnen sprechen von geschlechtsspezifischer Apartheid und fordern deren Anerkennung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Trotz dieser Lage sind afghanische Flüchtlinge weiterhin von Abschiebungen bedroht. Afghanistan ist kein sicheres Land. Wer Menschen dorthin abschiebt, setzt sie Gewalt, Willkür, Diskriminierung und schweren Menschenrechtsverletzungen aus.
Gleichzeitig besteht in Europa die Gefahr einer schrittweisen De-facto-Anerkennung der Taliban. Gespräche über Abschiebungen, auch auf sogenannter „technischer“ oder „administrativer“ Ebene, sind nicht neutral. Sie stärken ein Regime, das Frauen und Mädchen systematisch entrechtet, und werden von den Taliban propagandistisch genutzt.
WILPF Austria fordert daher:
- Keine direkte oder indirekte Anerkennung der Taliban.
- Keine politischen, diplomatischen, administrativen oder migrationsbezogenen Gespräche, die das Regime aufwerten.
- Sofortiger Stopp aller Abschiebungen nach Afghanistan.
- Anerkennung geschlechtsspezifischer Verfolgung afghanischer Frauen und Mädchen als Asylgrund.
- Sichere Fluchtwege und humanitäre Aufnahmeprogramme für Frauen, Mädchen, Journalistinnen, Aktivistinnen, Menschenrechtsverteidigerinnen und andere gefährdete Gruppen.
- Ausbau humanitärer Hilfe und direkte, langfristige Unterstützung von afghanischen Frauen- und Menschenrechtsorganisationen. Humanitäre Hilfe darf auf keinen Fall an die Taliban gehen. Das Geld muss direkt bei den Frauen und Organisationen ankommen.
- Gleichberechtigte und sichere Beteiligung afghanischer Frauen an allen internationalen Prozessen zur Zukunft Afghanistans. Gehört werden müssen vor allem die Stimmen der Frauen IN Afghanistan.
- Nutzung der österreichischen Rolle im UN-Sicherheitsrat 2027–2028 für den Schutz afghanischer Frauen und Mädchen, internationale Rechenschaftspflicht und die Anerkennung geschlechtsspezifischer Apartheid.
Rückfragen: Tamana Niazi und Rosa Logar, WILPF Austria
Offener Brief an die Bundesregierung und die Außenministerin mit ausführlicher Stellungnahme und Forderungen:
