mit wachsender Befremdung nehmen wir zur Kenntnis, dass am 22. Oktober 2025 auf dem Heldenplatz
in Wien eine Veranstaltung des Bundesheeres stattgefunden hat, bei der junge Menschen, darunter
Schulklassen, dazu eingeladen wurden, militärische Gerätschaften, wie Panzerfäuste und
Maschinengewehre in die Hand zu nehmen. Aus bildungspolitischer-, kinder- und menschenrechtlicher
Sicht ist das ein Widerspruch zu einer geschlechtersensiblen, friedlichen, schulischen Praxis, zu der
Österreich sich bekennt.
Sicherheitsbehörden und Bildungseinrichtungen tragen eine besondere Verantwortung dafür, dass
junge Menschen nicht an Gewalt als Normalität gewöhnt werden, weder durch Sprache, Haltung oder
durch den physischen Kontakt mit Waffen. Durch die Inszenierung von Waffen wird militärische Gewalt
jedoch als Abenteuer und berufliche Perspektive inszeniert. Dadurch verstärkt der Staat genau jene
Strukturen, die als Nährboden zur Gewaltbereitschaft sichtbar werden. Hierarchien,
Geschlechterstereotype, die Aufwertung von Dominanz und die Abwertung von Verletzlichkeit sind
dessen Folgen. Waffen in Kinderhänden reproduzieren symbolisch dieselbe Logik, die im
Bildungssystem Ungleichheiten hervorbringt, nämlich, dass Stärke mit Kontrolle, Männlichkeit mit
Durchsetzungsfähigkeit und Sicherheit mit Gewalt gleichgesetzt wird. Damit entsteht nicht mehr
Sicherheit, sondern ein Klima der Angst, der Konkurrenz.
Wer Sicherheit ernst nimmt, stärkt nicht Gehorsam und Waffenkompetenz, sondern Empathie,
demokratische Mitgestaltung, Kritikfähigkeit und solidarisches Handeln. Wirkliche Sicherheit entsteht
dort, wo junge Menschen ermutigt werden, Macht zu hinterfragen, Verantwortung zu übernehmen,
Diskriminierung zu benennen und sich gegen Gewalt in jeder Form zu positionieren und nicht dort, wo
man ihnen Panzerfäuste und Maschinengewehre in die Hände legt.
